Katzen können erste schlimme Erfahrungen oft nicht verarbeiten und entwickeln sich zu ängstlichen Tieren. Dabei muss eigentlich gar nichts passiert sein, was in den Augen von uns Menschen eindeutig schlimm ist. Vielleicht wurde sie als Kitten einmal im Nacken festgehalten, während man ihr gegen ihren Willen wichtige Medizin ins Mäulchen zwang. Bei sensiblen Tieren reicht so etwas schon aus, um eine unterschwellige Angst vor Menschenhänden auszulösen. Die Katze wird beim Anblick der Hand dann panisch reagieren, sich ducken, vielleicht sogar aggressiv werden oder sich im schlimmsten Fall sogar einmachen. Aber auch eine ängstliche Katze kann ihr Gleichgewicht wieder finden und ein selbstsicheres Tier werden. Man braucht nur ein bisschen Geduld und natürlich viel Zeit. 
Es gibt einige Situationen im Leben einer Katze, die besonders leicht Panik auslösen können. Hier einige Tipps, wie man damit am besten umgeht.

Angst vor dem Tierarzt
Die Panik vor dem Tierarzt zählt zu den häufigsten Ängsten überhaupt. Katzen mögen es nicht, wenn irgendetwas gegen ihren Willen geschieht. Schon eine Spritze beim Tierarzt kann dazu führen, dass sie beim nächsten Besuch die Transportbox dort nicht mehr verlassen will, kratzt und faucht oder sich ganz klein macht. Am besten zeigt man der Katze, dass der Tierarzt an sich kein schlimmer Mensch ist. Kurze Besuche in der Praxis mit einem kleinen Aufenthalt im Wartezimmer zeigen der Katze: Hier passiert nicht jedes Mal etwas Fürchterliches. Die Desensibilisierung geht dann Schritt für Schritt weiter. Beim nächsten Besuch kommt sie auf den Behandlungstisch und wird dort gestreichelt. Dann geht es wieder nach Hause. Erst wenn sich die Katze auf dem Behandlungstisch völlig entspannt verhält, wird sie wirklich untersucht und behandelt. Aber auch dann natürlich mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen!

Angst vor dem Autofahren
Manche Katzen haben bei einer Autofahrt einen Katzen-Albtraum erlebt und geraten vollkommen in Panik, wenn sie merken, dass es wieder so weit ist. Vielleicht wurde ihnen während der Fahrt speiübel, vielleicht raste die Feuerwehr mit Sirenen und Blaulicht vorbei, vielleicht war das Auto viel zu schnell unterwegs. Vor allem in Plastikboxen kann es sehr schnell viel zu warm werden. Hier ist viel Geduld gefragt. Am besten nimmt man eine Box, in der sich das Tier wirklich wohl fühlt. Dann setzt man die Box an eine Stelle, an der es kühl und nicht zu laut und hektisch ist. Ideal ist der Fußbereich vor dem Beifahrersitz. Die Box kann dann auch noch mit einem Tuch abgedunkelt werden, Katzen fühlen sich in einer „Höhle“ sicherer. Bedauernde Worte und Trösten verstärken bei Tieren oft das negative Verhalten. Wenn ihr Jammern beim Trösten lauter und häufiger wird, ist es besser, denn Mund zu halten und nichts zu sagen, auch wenn es schwer fällt. Am besten fährt man ein paar Runden ums Haus, ganz ruhig und langsam. Vielleicht nimmt man sie manchmal zum Einkaufen mit und lässt die Box dann im Auto. Aber bitte nur an kühlen Tagen! Die Katze soll durch häufige ereignislose Ausflüge merken, dass Autofahren keine Katastrophe sein muss und der Fahrt mit der Zeit immer gelassener entgegenblicken.

Angst vor der Transportbox
Katzen, die Angst vor Autos und Tierärzten haben, werden die Transportbox scheuen wie die Pest. Sie wissen ja: Die Transportbox ist der Vorbote eines schlimmen Übels! Die Box sollte deshalb mit einer Decke als ein gemütliches Nest eingerichtet werden, in das sich die Katze immer wieder zurückziehen kann, auch wenn kein Ausflug bevorsteht. Falls die Katze mit der aktuellen Box etwas Schlimmes erlebt hat, lohnt es sich, sie auszutauschen und vielleicht etwas ganz anders zu wählen. Manchmal hilft es, wenn man von Kunststoff auf Korb umstellt, denn das riecht anders und nichts erinnert mehr an das vorher gegangene traumatische Erlebnis. Anfangs kann man auf die Decke in der Box die Lieblingsleckerlis der Katze legen. Wenn sie immer wieder rein geht und sich gemütlich hinlegt, kann man langsam anfangen, die Tür zu schließen. Nach einigen Tagen, in denen die Tür immer wieder einmal geschlossen wurde, kommt dann der nächste Schritt und man kann die Box in der Wohnung herum tragen. Langsam wird dann alles wieder gut.

Angst vor Fremden
Katzen mögen nicht unbedingt alle Menschen gleich gerne. Die Freundin kann zu stark nach Parfüm riechen, der Handwerker zu laut sein. Es gibt viele Gründe, warum sich eine Katze bei Besuch lieber unters Bett verkriecht und sich nicht zeigt. Am besten lässt man sie in Ruhe. Falls sie aggressiv werden sollte und ihre Krallen zeigt: Nicht beachten, weggehen und sie nicht anschauen. Laut „Au“ schreien zeigt der Katze, dass dieses Verhalten auf keinen Fall in Ordnung ist! Und vor allem keine Streicheleinheiten, beruhigenden Worte oder Leckerlis geben. Das würde sie nur bestärken. Grundsätzlich sollten fremde Leute eine Katze nicht streicheln, wenn sie das nicht selbst will.

Generelle Angst
Manche Katzen sind so traumatisiert, dass sie vor jedem kleinen Geräusch zusammenzucken. Einige Katzen verkriechen sich bei der kleinsten Verunsicherung, andere reagieren sofort aggressiv und fahren bei der kleinsten Krise die Krallen aus. Dieses Verhalten ist ein reines Angstverhalten. Da helfen nur viel Geduld, viel Zeit und eine ruhige, sichere Umgebung. 
Panische Angst vor Bürsten und Kämmen wird im Kapitel „Fellpflege“ näher besprochen.

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