Kaninchenbabys sind flauschig, klein und zählen zu den putzigen Haustieren. Mit ihrer sich dauernd in Bewegung befindlichen Schnuppernase haben sie schnell die Herzen der Kinder und Erwachsenen erobert.

 

Kaninchen sollten aber nicht allein gehalten werden, denn, um sich wohlzufühlen benötigen sie die Gesellschaft von Artgenossen zum gegenseitigen Putzen und Kuscheln.
Was der Kaninchenbock braucht, sind seine Möhren, Platz zum Herumlaufen und seine Herzensdame. Ein gutes Beispiel ist das 6 Jahre alte Zwergkaninchen Pierro. Er hat alles, was das Hopplerherz begehrt. Seine Besitzerin Jessica Lucks wohnt im hessischen Idstein und hält neben Pierro noch ein Zwergwidder-Löwenköpfchen namens Madame Mim.
Doch nicht allen Kaninchen geht es so gut wie denen von Jessica. Das weiß auch die Vorsitzende des Vereins Kaninchenberatung in Frankfurt. Sie sagt: „Kaninchen sind keine Kuscheltiere.“ Leider werden sie trotzdem in vielen Familien genau so gehalten.

Wenn in einer Familie Kaninchen angeschafft werden, geschieht das zumeist aufgrund der Initiative der Kinder. Sie möchten gerne so einen kleinen Hoppler als Kuscheltier besitzen. Dann sind die Eltern in die Pflicht genommen, auf artgerechte Haltung und Umgang zu achten. Auf der Angst vor Greifvögel beruht die Tatsache, dass Kaninchen beim Hochheben größter Angst und Stress ausgesetzt werden, da ja auch Greifvögel ihre Beute greifen und hochheben. Zudem mögen Kaninchen keinen Lärm oder Trubel sowie schnelle Bewegungen. Das macht Kinder denkbar ungeeignet als Halter.
Erst Kinder ab dem 7. Lebensjahr bringen das Verständnis für die artgerechte Haltung von Kaninchen auf. Ihnen kann der Umgang mit den Hopplern beigebracht werden, so lautet die Meinung der Tierärztin Tina Hölscher aus München.
Der Vorsitzende des Landesverbandes der Kaninchenzüchter von Sachsen-Anhalt, Mike Hennings ist der Meinung, dass, wer ein Tier anschafft und die Pflege übernimmt, gleichzeitig die Verantwortung dafür übernehmen muss.

Vom nackten, neugeborenen Zwerg zum kuscheligen Kaninchen

Der Züchter Uwe Recknagel aus Arnstein sagt dazu, dass es keinen schöneren Anblick gibt, als zu beobachten, wie die kleinen, nackten Neugeborenen nach und nach zum stattlichen Kaninchen heranwachsen. Kaninchen sind nach der Geburt taub, blind und nackt. Die Haare wachsen erst ab dem dritten Tag, nach 10 Tagen öffnen sie die Augen. Das erste Grünzeug probieren die kleinen Hoppler nach rund zweieinhalb Wochen, nach Wochen hoppeln sie bereits in der Gegend herum.

Kaninchenbabys benötigen dringend die sozialen Kontakte zu Artgenossen, sie sind äußerst bewegungsfreudig, dabei aber neugierig, aber sehr schreckhaft, so die Fachreferentin des Deutschen Tierbundes, Henriette Mackensen. Soll als Haustier ein Kaninchen angeschafft werden, muss es mindestens 8 Wochen nach der Geburt bei der Mutter verbleiben.

Interessenten an Kaninchen sollten bei der Auswahl auf die Größe bei ausgewachsenen Tieren sowie auf Charaktermerkmale achten. Bei rund 100 verschiedenen Kaninchenarten in Deutschland gibt es Hoppler mit hängenden oder stehenden Ohren, mit Gewichten zwischen einem und elf Kilo sowie einfarbige oder gescheckte Kaninchen.
Bei Kindern am Meisten beliebt sind die sogenannten Farbenzwerge. Lucks sagt, dass Löwenköpfchen sehr temperamentvoll, Widderkaninchen eher gemütlich sind. „Bei der Geburt haben sie einen stehenden Behang, also stehende Ohren. Diese beginnen erst ab der vierten Woche rechts und links am Kopf herunterzuhängen“, kommentiert Hennings diese Besonderheit der Ohren bei Jungkaninchen dieser Art.

Um eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, muss auf die richtige Rudelgröße geachtete werden. Lucks warnt davor, ein einzelnes Kaninchen zu halten und sagt dazu, dass es besser ist, kein Kaninchen zu halten, als nur eines und dann nicht artgerecht. Für ihr Sicherheitsgefühl und um sich wohlzufühlen, benötigen Kaninchen Artgenossen zum Kuscheln und gemeinsamen Putzen. Ein Einzeltier wird sich entweder unglücklich fühlen oder Verhaltensstörungen entwickeln. Das Minimum sei ein Kaninchenpaar, im Idealfall werden geschlechtlich gemischte Gruppen mit weniger Männchen gehalten. Böckchen sollten in jedem Fall kastriert werden, um die Population niedrig zu halten.

Ist das Rudel zusammengestellt, kann es in sein neues Zuhause entlassen werden. Egal, ob dieses draußen oder drinnen ist, jedes Kaninchenpaar sollte mindestens vier Quadratmeter Platz haben. Ihrer Art entsprechend wollen sie Männchen machen, herumhoppeln und Haken schlagen können. Hölscher ist der Meinung, dass es auch für Jungtiere keinen Sinn macht, diese in ein kleines Gehege zu geben. Da die Jungtiere sehr schnell erwachsen werden, besteht beim Platzbedarf zwischen alten und jungen Tieren kein Unterschied.

Der Stopfmagen benötigt frisches Heu

Frisches Heu muss bereits bei den Jungtieren immer ausreichend zur Verfügung stehen. Lucks erklärt, dass die Tiere einen Stopfmagen haben, weshalb sie durch dauerndes Fressen den Futterbrei nachschieben. Das bedeutet, dass sie rund 50 Mahlzeiten täglich zu sich nehmen. Zusätzlich empfiehlt Lucks zweimal täglich rund 100 Gramm Frischfutter für jedes Kaninchen. Geeignet und gern gefressen sind Äpfel, Karotten, Kräuter und Sellerie.

Die Zähne der Kaninchen wachsen lebenslang. Damit sie sich abnutzen können, sollten immer Äste als Nagelmaterial im Gehege liegen. Auch die Krallen wachsen. Deshalb sollte das Gehege eine Abreibmöglichkeit für die Krallen enthalten. Sollten die Tiere zu wenig graben oder laufen, empfiehlt die Tierärztin, die Krallen mit einer speziellen zu kürzen. Rassenunterschiedlich sollte das alle 6 Wochen bzw. zweimal pro Jahr vorgenommen werden.

Die Anschaffungskosten für Kaninchen liegen zwischen 10 und 40 Euro. Abhängig von der Haltung kommen ein paar Hundert Euro für den Gehegebau hinzu, lautet die Schätzung von Lucks. Die Kosten pro Kaninchenpaar für Einstreu, Heu und Frischfutter liegen zwischen 30 und 40 Euro monatlich. Zwei zusätzliche Impfungen pro Jahr und gegen Chinaseuche und Kaninchenpest kosten rund 80 Euro und weitere Tierarztkosten bei auftretenden Krankheiten.

Wo kann man Kaninchenbabys kaufen? Lucks meint, kaufen am Besten gar nicht, sondern die Tierheime seien voll mit diesen niedlichen Hopplern, welche auf ein neues Zuhause warten.
Martina Stephany, Mitglied der Hamburger Tierschutzorganisation Vier Pfoten ist gleicher Meinung, da Tiere aus dem Tierheim bereits geimpft und kastriert seien. Seriöse Züchter oder Privatpersonen seien weitere Optionen.
Experten raten einem Kauf in der Zoohaltung ab, da die Tiere dort weder tierärztlich betreut werden und nur in seltenen Fällen auf artgerechte Haltung geachtet wird. Zudem fehlt dort meistens eine gute Beratung.