Gelenkprobleme gehören zu einem ganz normalen Alterungsprozess dazu, wie bei den Menschen, so auch bei Hunden. Wenn ein Gelenk verletzt wurde, beispielsweise durch einen Unfall, treten durchaus bei jungen Hunden nachhaltige Gelenkprobleme auf. Darüber hinaus gibt es genetische Veranlagungen zur Arthritis oder zur Hüft- und Ellbogendysplasie. Es besteht eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie Du Deinem Hund bei chronischen Gelenkschmerzen und Steifigkeit dennoch ein lebenswertes Dasein ermöglichst. Wir zeigen hier, was Du in diesem Fall für Dein Tier tun kannst.

Gelenkprobleme verstehen

Ein Gelenk ist stets eine bewegliche Nahtstelle zwischen mehreren Knochenteilen. Sei Dir darüber bewusst, dass jedes Gelenk (auch Deine eigenen) ein Wunder der Natur ist, für dessen Entwicklung und Optimierung die Evolution Jahrmillionen aufwenden musste. Die wesentlichen Komponenten eines Gelenks sind:
die Knochenteile
das Knorpelgewebe
die Gelenkkapsel mit der Gelenkflüssigkeit
die Bänder
die Sehnen

Letztere sind eine Grundvoraussetzung für die Bewegung, da die Sehnen die Knochen mit den Muskeln direkt verbinden.

Die „Lubrikation“ ist eine schleimige Gleitflüssigkeit, die aus der deutlich viskoseren Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) generiert wird und Nährstoffe in die Knorpelschicht transportiert. Die Gelenkkapsel und die Bänder werden durch die Synovialmembran ausgekleidet. Dies sind unverzichtbare Strukturen für das reibungslose Funktionieren eines Gelenks.

Typische Gelenkverletzungen sind ein Bänderriss, eine Muskelverstauchung oder ein teilweises Abplatzen der Knorpelschicht. Es gibt in der Tat bestimmte Hunderassen, die für derartige Verletzungen anfälliger sind als andere. Geradezu eine genetische Veranlagung für Ellbogen- und Hüftdysplasie haben beispielsweise der Deutsche Schäferhund, der Labrador und der Golden Retriever. Dadurch kann sich bei diesen Hunden recht frühzeitig eine Arthritis entwickeln. Wenn große Hunde zu schnell wachsen, können die noch relativ weichen Knochen beschädigt werden, was sich dann fatal auf die Gelenke auswirkt. Davon kann vor allem der Bernhardiner, der Leonberger oder die Deutsche Dogge betroffen sein.

Gelenkprobleme sind immer mit (starken) Schmerzen verbunden, die auch einen Hund zum Humpeln zwingen. Da das betroffene Gelenk Schonung braucht, solltest Du darauf achten, die Aktivität des Hundes, so weit es geht, einzuschränken. Andere typische Anzeichen für ein Gelenkproblem können sein:
ungewöhnliche Bewegungen
Probleme beim Stehen
geschwollene Gelenke
Verweigerung beim Springen
Abneigung gegen Berührung
allgemeine Gereiztheit

Deine Reaktion sollte wirklich unmittelbar erfolgen, wenn Dein Hund plötzlich lahmt. Bringe ihn direkt nach Hause, damit er und vor allem sein Gelenk sich ausruhen können. Nur so lässt sich ein schnelles Voranschreiten einer Entzündung eindämmen. Gib ihm auf keinen Fall Schmerztabletten aus Deinem Medizinschrank, sondern suche schnellstmöglich einen Tierarzt auf. Linderung erfährt der Hund, wenn Du das betroffene Gelenk, sofern bekannt, für einige Minuten mit einem Eisbeutel kühlen kannst.

Hinsichtlich einer allgemeinen Versteifung der Muskeln und Gelenke, die bei älteren Tieren fast normal ist, gibt es einige offensichtliche Symptome. Dazu gehören unter anderem Probleme beim Aufstehen oder Strecken, die Abneigung gegen Bewegung, häufiges Stehenbleiben bei Spaziergängen und (ganz typisch) Probleme beim Treppensteigen. Viele Hunde neigen dazu, ihre schmerzenden Gelenke immerzu zu lecken mit der Folge, dass sich die Haut dort entzünden kann. Nach längerer Ruhe gestaltet sich ein kühler Morgen für die Tiere besonders schwierig.

Gelenkprobleme behandeln

Wie oben bereits erwähnt, sind bei einer akuten Gelenkverletzung auf jeden Fall erst mal Ruhe und Schonung angezeigt. Allerdings sind auch Hunde-Gelenke „selbstschmierende“ bewegliche Teile, das heißt, wochenlanges „Auf der faulen Haut liegen“ führt unweigerlich zur Versteifung. Dies gilt insbesondere für ältere, von Arthritis geplagte Tiere. Daher solltest Du mit Deinem Hund regelmäßige, wenngleich sehr moderate, der Situation angepasste Spaziergänge machen. Dies erfordert sicher etwas Sensibilität und Einfühlungsvermögen und ein Gespräch mit dem Tierarzt bringt Dich in der Sache bestimmt weiter, denn das richtige, für das Tier bekömmliche Maß zu finden, ist in der Tat eine Gratwanderung zwischen schädlicher Überforderung und versteifender Unterforderung.

Bedenke dabei immer, dass Du einen gewissen Gleichlauf, eine Routine beziehungsweise Konstanz im Bewegungs-Quantum einregeln solltest. Schlecht ist es zum Beispiel, wenn Du an normalen Arbeitstagen aus Zeitmangel mit Deinem Hund nur kurz vor die Haustür gehst, dies aber dann am Wochenende mit Marathonläufen auszugleichen bestrebt bist. Ideal für Dein Tier sind mehrere kurze Spaziergänge, und zwar jeden Tag gleichermaßen.

Wie Du bestimmt weißt, empfehlen Orthopäden ihren Arthrose-Patienten als Sport regelmäßiges Schwimmen. Auch diese Empfehlung lässt sich 1:1 auf Hunde mit Gelenkproblemen übertragen. Hierbei bewegt und „schmiert“ das Tier seine Gelenke, ohne sie übermäßig zu belasten. Du wirst bemerken, dass das Tier spürt, dass ihm diese Art der Bewegung gut tut, und sich richtig freut auf die Ausflüge ans Wasser. Tierärzte arbeiten daher ganz gezielt mit der sogenannten „Hydrotherapie“, die aber wesentlich mehr ist als nur ein geworfenes Stöckchen aus dem See zu holen, denn im Rahmen dieser Therapie wird mit dem Tier „gearbeitet“, was nicht immer auf die ungeteilte Zustimmung und grenzenlose Motivation des Hundes stößt.

Da nicht alle Hunde gute, begeisterte Schwimmer sind oder sich eine Hundebadestelle nur in weiter Ferne befindet, ist das spezielle Hydrotherapiebecken des Tierarztes beziehungsweise des Tierphysiotherapeuten tatsächlich eine gute Alternative. Hier steht stets ein passendes Geschirr zur Verfügung, das dem Hund im Wasser stützenden Halt gibt und so das Vertrauen und die Lust am Wasser steigert. Dabei wird darauf geachtet, dass die Wassertemperatur so eingestellt ist, dass sie vom Hund als angenehm empfunden wird. Zudem wird das Wasser im Vorfeld desinfiziert. Moderne Becken warten mit Düsen und Wasserstrahlen auf, die dem Tier zugleich eine wohltuende Massage bereitstellen.

Auch bei dem nächsten Gesichtspunkt ist die Parallele zu den Menschen wieder unverkennbar. Gelenkprobleme beziehungsweise Übernutzung ergeben sich nur allzu oft aus Übergewicht. Daher solltest Du regelmäßig das Gewicht Deines Tieres kontrollieren. Der Tierarzt weiß, in welchem Rahmen sich das Gewicht Deines Hundes bewegen soll. Deshalb solltest Du seinen Rat ernst nehmen, wenn er davon spricht, dass das Tier etwas abnehmen muss. Im Frühstadium einer Arthritis kann ein rasch eingeleiteter Gewichtsverlust sogar noch zu einer Heilung führen.

Die meisten Hunde sind zugegeben etwas „verfressen“ und so richtig gut unterscheiden zwischen gesund und ungesund können sie ebenfalls nicht. Manche von ihnen fressen zuweilen lieber Sahnetorte oder Kartoffelchips als Fleisch. In der Folge entwickeln sich bei unseren Hunden all jene Zivilisationskrankheiten, die wir schon lange bei Menschen antreffen. Es liegt daher an Dir, zu kontrollieren, was, wie viel und wie oft Dein Hund frisst. Erwarte nicht Disziplin von Deinem Tier, sondern erziehe es aktiv dazu, es ist Deine Verantwortung. Eine sehr einfache und zugleich effektive Maßnahme liegt im Fressnapf, sowohl in dessen Inhalt als auch in dessen Verfügbarkeit. Sperr doch den Fressnapf mal weg und halte die traurigen Augen aus.

Außerdem gibt es die Physiotherapie, die durch einen Tierarzt umgesetzt werden kann. Dazu gehört das Aufwärmen, so, wie wir es von einem Sportler vor dem Wettkampf kennen. Wenn ein Hund Gelenkprobleme oder Arthritis hat, muss auch dieser sich vor der eigentlichen Bewegung erst einmal gut aufwärmen. Gewöhn‘ Dir daher unbedingt an, vor jedem Spaziergang jene passiven physiotherapeutischen Übungen durchzuführen, die der Tierarzt Dir gezeigt hat.

Eine dieser physiotherapeutischen Übungen besteht zum Beispiel darin, dass sich der Hund zunächst bereitwillig auf die Seite legt. Reibe dann mit der Hand sanft die Muskelgruppen der oben zugänglichen Gliedmaßen. Schiebe seine Pfote langsam so weit nach oben, dass sich dabei alle Gelenke beugen. Achte darauf, dass das Tier keine Schmerzen hat. Danach wird an der Pfote etwas gezogen, damit das Bein, so gut es geht, gestreckt wird. Diese Prozedur darf bis zu 20 Mal für jedes Bein wiederholt werden, was einschließt, dass Du dies so auch für die andere Seite durchführst. Du wirst sehen, dass der Spaziergang danach eine ganz neue Qualität gewinnt.

Nachts solltest Du versuchen, Deinen Hund möglichst warm zu halten, denn es ist bekannt, dass gerade ältere Hunde mit Arthritis während einer kühlen Nacht eine deutliche Versteifung erfahren. Vielleicht ist es möglich, dem Tier einen gut beheizbaren Schlafplatz anzubieten, obwohl Hunde niedrigere Temperaturen für „kuschelig“ als wir Menschen halten. Dennoch lohnt es sich, durch unterschiedliche Temperatureinstellungen mittelfristig auszuloten, welche Nachttemperatur sich für Deinen Hund als Optimum herausstellt, also zum einen eine Wohlfühltemperatur darstellt und zum anderen warm genug ist, um einer morgendlichen Versteifung entgegenzuwirken.

Nicht jeder Hund kommt mit einer Decke zurecht. Manchmal ist es aber auch eine Frage des Vertrauens, dem Hund klarzumachen, dass die Decke gut für ihn ist. Worauf Du unbedingt achten solltest: Das Hundekörbchen darf auf keinen Fall in ständiger Zugluft stehen. Bedenke dabei, dass Du die Situation diesbezüglich in Bodennähe prüfen musst.

Kleiner Trick: Stelle im Bereich des Hundeschlafplatzes ein Teelicht auf den Boden in exakt jener Situation, wie der Hund dort nachts schläft (offene oder geschlossene Zimmertür, angelehntes oder geschlossenes Fenster und so weiter). Die Flamme wird Dir darüber Auskunft geben, ob sich dort ein mehr oder minder intensiver Luftzug einstellt.

Es gibt spezielle Wärmepackungen für die Mikrowelle, die Du den betroffenen Gelenken auflegen kannst. Prüfe aber selbst die Temperatur, damit Du Deinen Hund nicht verbrühst. Ist die Packung noch zu heiß, kannst Du sie mit einem Handtuch umwickeln.

Klarstellung zum Thema Wärme: Weiter oben wurde davon gesprochen, das Gelenk zu kühlen. Das steht im Widerspruch zu der eben gemachten Aussage. Nicht ganz, weil wir nicht „Äpfel mit Birnen vergleichen“ sollten. Wenn ein Gelenk durch einen Sturz oder Unfall akut geprellt ist, dann entsteht schnell eine Wassereinlagerung, was zu einer deutlichen Anschwellung führt. Damit die Säfte nicht so üppig dorthin fließen und eine Entzündung einleiten, sollten die Gefäße „kaltgestellt“, also verengt, werden.
Ganz anders ist es bei einer chronischen Arthritis, die auch mit Entzündungen einhergeht. Damit sich ein solches (steifes) Gelenk überhaupt bewegen und damit selbst schmieren kann, muss es warmgehalten werden.

Einen ähnlichen Effekt wie mit Wärme erreichst Du mit Massagen. Durch die Massage wird die Durchblutung angeregt und dadurch vermehrt Wärme zu den betroffenen Gelenken und den sie umgebenden Muskeln transportiert. Jeder Physiotherapeut kann in dieser Angelegenheit wertvolle Tipps geben. Auf der anderen Seite ist der professionelle Rat deshalb sehr wichtig, weil Du ohne diese Kenntnisse durchaus viel falsch machen könntest, was äußerst kontraproduktiv für Dein Tier wäre.

Glukosamin ist ein Aminozucker, der die Neubildung von Knorpelmasse unterstützt und daher sehr förderlich für die Heilung der Gelenke ist. Ein ähnlich gut wirkendes Nahrungsergänzungsmittel ist Chondroitin. Gibst Du Deinem Hund sogar beide Mittel, ergibt sich daraus sogar ein synergetischer Effekt, salopp gesagt: eins und eins ist dann nicht zwei, sondern gleich drei.

Gegen die Versteifung hilft Lachsöl, das Du leicht dem Futter beimischen kannst. Bedenke dabei aber, dass dieses Öl fettlösliche Vitamine aufnimmt, das heißt, wenn Du es jeden Tag verwendest, werden Deinem Hund bald bestimmte wichtige Vitamine fehlen. Darüber hinaus bietet der Handel Zusätze an, die weitere gesunde Omega-3-Fettsäuren enthalten, sie gelten als Antioxidantien, die Entzündungsprozesse zurückfahren.

Selbstverständlich kommen bei einem fortgeschrittenen Gelenkverschleiß für Deinen Hund Medikamente der sogenannten Schulmedizin in Betracht. Dein Tierarzt wird neben den üblichen kortisonhaltigen Medikamenten zum Beispiel einen nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAID) verschreiben. Dadurch wird unter anderem die Reizleitung für den Schmerz unterbunden, denn es ist wirklich wichtig, dass Deinem Tier die Schmerzen genommen werden, damit es sich überhaupt wieder bewegt.

Nebenwirkungen

Wie auch der Menschen scheidet der Hund viele Medikamente über die Nieren aus. Es ist also wichtig, dass diese Organe gesund und leistungsfähig sind, was der Arzt in der Regel im Vorfeld abprüft. Darüber hinaus können Medikamentgaben über längere Zeiträume bei Hunden zu Magengeschwüren führen, die sich oft durch häufiges Erbrechen ankündigen. In einem solchen Fall solltest Du umgehend mit Deinem Tierarzt darüber sprechen, ob so ein NSAID abgesetzt werden kann.

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